Michael Schober

Am langsamsten mit dem Auto!

Aber ICH bin schneller mit dem Auto!

Die Diskussion welches Verkehrsmittel schneller sei, hat sicher jeder schon geführt. Und zumeist kam dabei heraus: „Aber das Auto ist Tür-Tür TROTZDEM am schnellsten!“ An dieser Stelle wird das Gespräch zumeist abgebrochen, weil es (siehe „trotzdem“) bereits nur mehr auf emotionaler Ebene abläuft.

Zur sachlichen Ebene

Wir Techniker gehen es analytisch an! Ob der gegebenen Platzbeschränkung auf A4, ein paar limitierende Parameter: Auto, wenn Zielorte völlig entlegen und mit Öffis nur durch oftmaliges Umsteigen erreichbar; Auto, wenn viel Gepäck/Präsentationsmaterial notwendig ist, dass nicht asynchron transportiert werden kann; Beschränkung auf Geschäftsreisen mit typischerweise 1-2 Personen pro Kfz. Planbeispiel ist eine Geschäftsreise von Wien zu einem Kunden zwischen Salzburg und Hallein – ca. 10 km vom nächsten Bahnhof entfernt; Termin um 12:30. Ebenfalls vernachlässigt werden Faktoren wie Ökologie, Volkswirtschaft, Risiko, Komfort, Speisewagen sowie die Chance im Zug neue, auch geschäftlich interessante Menschen kennen zu lernen, was heute gerne unter dem Begriff „Networking-Event“ teuer verkauft wird.

Wir brausen mit dem Auto

Start und Ziel ins Navi eingegeben: 315 km und 3:46 Fahrzeit. Ich rechne noch 30 Minuten Puffer für Stau und einen Kaffeestop ein und will spätestens 12:15 vor der Tür sein ist also eine Abreise um 7:45 erforderlich. Die Reisezeit könnten Telefonate füllen, die nur Informationen „senden“. Ich führe geschäftliche Telefonate mittlerweile sehr ungern bei solchen Fahrten: Ich kann nichts notieren, ich kann nicht in Unterlagen blättern, ich kann mir nur Termine ausmachen wo ich 100% sicher bin verfügbar zu sein. Diktiergeräte oder Voicenotizen am Smartphone mache ich ungern.

Wenn ein „Gerne-Telefonierer“ fährt, …

… dann kann der natürlich einiges „erledigen“. Meine Bewunderung gilt da aber nicht dem Unfallfrei-Fahren und gleichzeitig Telefonieren können, sondern wesentlich mehr der Fähigkeit sich all das zu merken, was man in ca. 10 Telefonaten mit einer Dauer von je 10 Minuten gesprochen und gehört hat. Natürlich nicht alles, aber das Wesentliche!

Ich kann das nicht, ich müsste regelmäßig stehen bleiben und Notizen machen – aber wahrscheinlich gibt es ein Seminar: „Effizient Autofahren und Telefonieren ohne was zu vergessen für Manager“ – wenn nicht, dann … ok – vielleicht ist es doch ein Cabarettprogramm? Bei all diesen Rahmenbedingungen behaupte ich: Das Lenken eines Kfz ist keine Produktivzeit mit Nutzen für das Unternehmen, auch wenn diese für den Mitarbeiter als Arbeitszeit gilt, weil er nicht schlafen kann und es anstrengend ist. Auch das Unternehmerargument „Mitarbeiter ist eh pauschaliert – mir doch egal!“ ist nicht richtig. Der Mitarbeiter wird in der Praxis deswegen nicht mehr arbeiten. Weil es natürlich Schnellfahrer gibt, nehmen wir nur 3:00x2xStundensatz in die Rechnung und die sind VERLOREN! Die Kosten für Kilometergeld 315x2x0,42=264,6 kommen noch dazu. Und das Protokoll zum Termin in Salzburg ist am nächsten Arbeitstag zu schreiben – oder es bleibt liegen.

Dieselbe Strecke mit der Bahn

Tür-Tür fast Ident! Ich nehme den Zug um 8:44 komme um 11:49 Salzburg Hbf. an. Steige in der Garage in mein CarSharingauto ein als wäre es mein Privates (will heißen ich habe es schon vorher über Web reserviert, mit der Vorteilskarte geht die Tür auf, ich nehme den Schlüssel aus dem Handschuhfach und bin um 12:15 beim Kunden zum Händedruck. Aber was habe ich dazwischen gemacht? Ab 8:20 habe ich im schon bereitgestellten Zug meinen Laptop angesteckt und bis 11:30 produktiv durchgearbeitet. Zwei Kunden Telefonate geführt ca. 20 Minuten, gleich Telefonnotizen und diesen Artikel geschrieben – ich weiß, ich weiß: ich kann mir alle scherzigen Bemerkungen perfekt vorstellen – aber ICH nenne es 3×2=6 Stunden Produktivzeit! Beim Heimfahren waren alle ausgefassten Arbeiten erledigt. Somit steige ich bereits „Arbeitsschuldenfrei“ und ausgeruht in Wien aus dem Zug. Bahnticket 2. Kl. und CarSharing mit Platz: 85 Euro.

Wir Techniker sollten End2End

rechnen! Auch ich war einer jener Autofahrer, der Zugpläne hasste. Aber heute sind www.OEBB.at mit  Scotty und  www.AnachB.at perfekt zur raschen Abschätzung welches Verkehrsmittel das schnellere ist. Aber wie schon oben ausgeführt – Schneller ist auch betriebswirtschaftlich nicht effizienter – Volkswirtschaftlich und Ökologisch schon gar nicht! Aber das lasse ich ja diesmal Außen vorbei.

Wir sehen uns im nächsten Zug!

Michael Schober

PS: Einen einfachen Kostenvergleichsrechner finden Sie hier:

ERPTuner_Reiserechnungshilfe_Auto_Oeffi

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1 thought on “Am langsamsten mit dem Auto!

  1. 18.12.2018 ich muss meinen eigene Artikel ergänzen
    Railjet von Wien nach Salzburg. Es schneit draußen. Ein konzentriert arbeitender Mitreisender hebt den Blick um sich einen Kaffee vom Servierwagen zu ordern. Sein Smalltalk mit der Dame in Rot (heißen die Henrietten am Zug?) „Mein Kollege steckt auf der Autobahn im Schnee. Man sollte sich den Wetterbericht ansehen, bevor man losfährt.“ Ich lächle, mir fällt mein Artikel ein. Ich lese ihn und es überkommt mich der Schreibzwang.
    Seit 2011 hat sich doch einiges verändert:
    1. Der Railjet braucht nach Salzburg nur mehr 2:15 – fast zu schnell um einen ganzen Kundenbesuch zu protokollieren. 😊
    2. Es ist zusätzlich die Westbahn unterwegs.
    3. Es gibt ziemlich stabiles Internet auf den Hauptstrecken und überall Steckdosen.
    4. Ich habe mir ein Brompton Faltrad mit der großen 30 Liter Tasche gekauft (www.brompton.at) und mache die Last-Mile damit. Heute werden es ca. 2 km sein und in Salzburg ist man mit dem Rad sowieso IMMER schneller! Gepäck für 2-3 Nächte inklusive Laufwäsche geht sich aus, seit man mit kleinen Notebooks keine Ordner mehr mit sich schleppen muss.

    Und etwas das IMMER gestimmt hat:
    KEIN Finanzverantwortlicher würde einem Investitionsantrag für eine Maschine zustimmen, die 99% der Zeit steht – außer es ist ein Auto.

    Es ist NICHT eine Wetterfrage – die Bahn ist bei jedem Wetter die richtige Entscheidung!

    Der Mitreisende ist mittlerweile in Linz ausgestiegen. Ich habe ihm meine Visitkarte mit dem Verweis auf diesen Artikel „aufgedrängt“. Mit den ergänzenden Worten:
    und wünsche ihm auf diesem Weg noch schöne Feiertage und einen guten Rutsch.
    Allen anderen Lesern natürlich auch!
    Michael Schober

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