Viele Fehlentscheidungen zum richtigen Ergebnis

Es begann mit falschem Benzin

Die 1.400 km Anreise mit dem 2CV nach Lesbos waren problemlos. Das Quartier in Sigri bezogen und auch die 100 km nach Mytilini, um meinen Sohn vom Flughafen abzuholen, waren eine entspannte Oldtimerfahrt. Vor der Rückfahrt nach Sigri noch volltanken. Die Tankwartin überfordert meine Griechisch-Kenntnisse – ich glaube, es ist eine andere Benzinqualität in dem Zapfhahn als draufsteht. Hauptsache Benzin – rein damit! Das ist die FEHLENTSCHEIDUNG Nr.1! (=FE1)

Spotz! Spotz! Spotz!

Max kommt bereits durch die Glastür, während das Flugzeug offiziell noch im Landeanflug ist – abgesprungen 😊? 22:15 rein in die Ente und ab Richtung Inselwesten es wird wohl Mitternacht. Bei der Stadtausfahrt der heftige Knall einer Fehlzündung – „sch….! Doch falsches Benzin!?“, schießt es mir durch den Kopf. Es knallt und spotzt weiter. Von den 28 PS keine Spur mehr spürbar. Die Zunftstraße der Automechaniker verläuft parallel nur einen Steinwurf entfernt, aber alle haben schon geschlossen. FE2: Fahren wir bis zu der großen neuen 24 Stunden Tankstelle weiter draußen.

Ferndiagnose ist immer schwierig

Nein, Mechaniker ist jetzt keiner mehr da. Ich erreiche telefonisch meinen 2CV-Oberarzt Karl in Österreich, schildere ihm die Vorgeschichte. „Ja, kann schon falsches Benzin sein. Zu viel Ethanol vielleicht.“ – was tun? – „weiterfahren und richtiges Benzin nachfüllen so schnell wie möglich“. FE3: Ich fülle den Reservekanister an und wir fahren weiter.

Von nun an ging‘s bergab

Es überholen uns mehr und mehr andere Fahrzeuge bis hin zu Mopeds – F

ahrräder sind um die Zeit keine mehr unterwegs. Max ist ruhig. Die Ente nicht – das Schießen wird heftiger! Bei der ersten Steigung beendet der Motor seinen Dienst. Wir machen eine Schiebewende. Rollen – Gang – einkuppeln – NIX! Ein Liter aus dem Kanister nachgeträufelt – NIX! Wir stehen an der Gabelung Richtung Lampou Myloi – die Ente rollt mit uns bis in den Ort und ich muss sogar bremsen um vor der Taverne stehen zu bleiben. Mechaniker? Zimmer? „Oxi!“ = Nein, alle in Mytilini. FE4: Die Trennung vom Auto. Ein sehr nettes Ehepaar bringt uns mit Gepäck nach Mytilini zu einem zentralen Hotel. Die Ente schläft ca. 20 km entfernt ihren Benzinrausch aus.

Das soll keine ÖAMTC Werbung sein!

Mitternacht! Die Abholung von Max bei der Bushaltestelle wird unsere Vermieterin Cindy gerne machen. Beim Frühstück fällt mir die ÖAMTC APP ein! Nur 20 Minuten später der Kontakt zum lokalen Abschleppdienst. Es wird noch ca. 1 Stunde dauern. Ich soll ihnen den Autoschlüssel geben sie bringen das Auto zur Werkstatt zu der ich hinkommen soll. Mulmiges Gefühl. Ich könnte mit dem selben Bus wie Max bis zum Auto fahren und den Abschleppwagen dort treffen. FE5: Ich fahre nicht mit dem Bus, sondern warte! Die beiden kommen zum Busbahnhof. Ich will mit dem Schlüssel mitfahren zum Auto. Geht nicht, weil sie haben noch eine Stunde zu tun. Ich warte also bis sie wieder kommen – und beginne zum Zeitvertreib das Erlebnis nieder zu schreiben.

Es beginnen freudige Überraschungen! (FÜ)

FÜ1: Schon nach nur 40 Minuten steht der Herr vom Pannendienst vor mir “Wir können fahren!“. Im Auto fragt er mich, ob ich schon weiß, zu welcher Werkstatt ich möchte. „Hähhh?!“ In diesem Moment fahren wir an der Citroen Niederlassung Lesbos vorbei. FÜ2 „DA WILL ICH HIN!“ 😊. Die Werkstatt ist 200 Meter von der 24h Tankstelle entfernt. War in der Nacht nicht beleuchtet und damit nur fast die FE6. Während der Fahrt rufe ich nochmals Dr. 2CV-Karl an „Was könnte noch diese Symptome hervorrufen?“ – „kaputter Kondensator!“ kommt prompt retour. Ankunft bei der Ente – FÜ3: Der Pannenfahrer spendiert mir ein Frappé. FÜ4: Nicht einmal noch zum Trinken angesetzt, kommt schon der Abschleppwagen und wir sind schon unterwegs zur Werkstatt.

Heiraten scheint in Mode zu sein!

Das wichtigste zuerst: Werkstattbesitzer fotografiert Ente! Ich schildere Benzin und Kondensatoroptionen und eine effiziente Analysestrategie. OK! Ich soll das Auto da lassen und in ein paar Tagen wieder kommen, weil Mechaniker A ist in Flitterwochen und Mechaniker B macht in einer Stunde Schluss, weil er um 20:00 heiratet. „No Way!“, sag ich! Dann mache ich es selbst. FÜ5: „Schau ma amal!“ und ich bekomme ein Frappé. FÜ6: Nach 15 Minuten ist die Ente repariert! € 7,85 für Kondensator, € 0,- Arbeitszeit seitens Werkstatt, € 20,- für den Mechaniker.

 Was Fehlentscheidungen waren, weiß man erst am Ende!

FE1: War gar keine! FE2-6 haben mir Zeit zum Nachdenken gebracht und damit zur besten Lösung geführt, statt in der ersten Panik sinnlos 23 Liter Benzin abgelassen zu haben! Um 15:00 war auch ich in Sigri, um ein nettes Urlaubserlebnis, einige neue Bekannte und die Geschichte über Fehlentscheidungen reicher! Ente gut – alles gut!

Michael Schober – Der ERP-Tuner

PS: Die Langfassung finden Sie hier  – Leserbriefe gerne an
M.Schober (ÄT) derERPtuner.net

mailto:M.Schober@derERPtuner.netPS: Der nächste Teil zur „Der Ingenieur“-ERP-Serie kommt „Die Auswertung“ sicher in der nächsten Ausgabe!

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