Michael Schober

ERP Praxis 2014 Studienergebnisse

Die Ergebnisse Alle zwei Jahre wieder

Die Erfahrungen aus knapp 2.700 Anwenderunternehmen – vorwiegend aus dem deutschsprachigen Raum –, die im Zuge der 10-jährigen Jubiläumsauflage Studie „ERP in der Praxis“ durch die Analysten der Trovarit und die Wissenschaftler des FIR an der RWTH befragt wurden stehen wieder zur Verfügung! Die Bewertung von über 50 ERP-Lösungen zeigt im Vergleich zu 2012 insgesamt leichte Verbesserungen der Anwenderzufriedenheit insbesondere im Hinblick auf

  • die „Gesamtbeurteilung der Service-Qualität während der Implementierung“. Dies geht einher mit einer deutlich positiveren Bewertung des „Engagements der ERP-Berater“ im Rahmen der Einführung.
  • Release-Fähigkeit der ERP-Lösungen und in Folge dessen hat sich auch die Zufriedenheit mit den Dienstleistungen rund um Updates/Release-Wechsel auf gutem Niveau deutlich stabilisiert
  • Von niedrigem Niveau ausgehend ebenfalls signifikant verbessert zeigt sich das Thema „Formulare & Auswertungen“

Die Gesamtbewertung der ERP-Lösungen liegt sehr stabil bei einer uneingeschränkten Schulnote „Gut“. Bei etwas größeren Schwankungen auf gleichem Niveau liegt die Gesamtbeurteilung für die Dienstleistungsqualität.

HALT! „Und was ist mit Österreich?“

Hören wir die LeserIn schon rufen. An dieser Stelle darf ich meinen Kommentar zur Studie 2012 mit konkreten Zahlen untermauern – und ergänzen, dass auch die Schweizer ERP‘s nicht anders ticken.

Abbildung AT-1: Vergleich Zufriedenheitswerte D-A-CH

Bemerkenswert ist der kleine Ausreißer von Deutschland nach Unten bei „Internationale Einsetzbarkeit“. Meine Interpretation: Nach 1989 haben im Osten Deutschlands noch „Inlands-ERP-lösungen“ gereicht, während in Österreich bereits ab 1990 in den meisten Ausschreibungen CZ- und HU-Fähigkeit Bestandteil war. Nach diesem kleinen Exkurs auf AT dürfen wir mit gutem Gewissen das Datenmaterial als repräsentativ für Alle werten, und der generellen Interpretation fortfahren.

Zu einzelnen Kriterien

Die Studie offenbart bei näherem Hinsehen auch Schwächen bzw. negative Trends:

Die „Mobile Einsetzbarkeit der ERP-Software“ ist mit der schlechtesten Note, die jemals für einen einzelnen Zufriedenheitsaspekt unabhängig von der Software-Lösung vergeben wurde, das neue Schlusslicht. Für die ERP-Lösung „zu jeder Zeit und an jedem Ort“, reicht die Bandbreite der Bewertungen von „katastrophal“ bis „mäßig“.

Nach zehn Jahren die Rote Laterne abgegeben und Anschluss an das übrige Feld gefunden haben die „Formulare & Auswertungen“. Sie bleiben aber ein Schwachpunkt mit großen Schwankungen in Abhängigkeit der genutzten Software bzw. von der Art und Weise, wie diese implementiert wurde. Erstmals untersucht wurde „Internationale Einsetzbarkeit der ERP-Software“ , und stellt sich ebenfalls als Schwachpunkt dar. In Sachen Software werden schließlich Aspekte wie „Anwenderfreundlichkeit“, „Performance“ und „Schnittstellen“ regelmäßig kritisiert. Ebenfalls negativ auf den Nutzen der ERP-Software können sich die Schwächen im Hinblick auf das „Schulungs- & Informationsangebot“ der ERP-Anbieter sowie bei deren Beratung auswirken, wenn es darum geht, den ERP-Einsatz regelmäßig zu optimieren bzw. auch weiterzuentwickeln. Damit offenbart die langfristige Betreuung im Echtbetrieb durchaus deutlichere Kritikpunkte als der Service in der Implementierungsphase.

„Evergreens“ bei den Kritikpunkten sind schließlich Budget- und Termineinhaltung. Hier fallen weiterhin die großen Schwankungen von Projekt zu Projekt ins Auge.

Gewinner & Verlierer

Das insgesamt gute Abschneiden der ERP-Lösungen darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Zufriedenheitsurteil der Anwender über die Software-Lösungen und –Anbieter hinweg betrachtet im Zweijahres-Vergleich durchaus sehr unterschiedlich ausfällt. Lösungen für die “Größeren Unternehmen“:

  • Hier liegt das Gesamturteil für die Software bei allen Kandidaten relativ eng beieinander, in einem Notenspektrum von 2,05 bis ca, 2,2 – und damit insgesamt im hinteren Bereich des Feldes.

Lösungen für die “Mittleren Unternehmen“:

  • „Gewinner“: Weniger bekannte/verbreitete Lösungen und APplus (Asseco). Mit Abstand auf den Plätzen und damit durchaus gut positioniert: proAlpha, FOSS und Oxaion.
  • „Schlusslicht“: Infor COM

Lösungen für die “Kleineren Unternehmen“:

  • „Gewinner“: Weniger bekannte oder verbreitete Lösung sowie Branchenspezialisten. In Österreich zB. ORLANDO.

Bestätigung der grundlegenden Erkenntnisse: Lösungen und Anbieter werden tendenziell kritischer beurteilt je

o          Größer die Installationen sind,

o          Größer der Anpassungsbedarf auf branchen-/unternehmensspezifische Anforderungen ist,

o          Geringer die Intensität der Geschäftsbeziehung zwischen ERP-Anwender und -Anbieter ist. Größere ERP-Hersteller mit einem breiten Zielmarkt schneiden tendenziell schlechter ab als kleinere Spezialisten.

Was fällt zusammenfassend auf?

  • Die „Cloud“ ist im deutschsprachigen ERP-Markt noch nicht angekommen
  • Bei „Mobile ERP“ dominiert – derzeit noch – das Notebook.
  • Bei den Bezahlformen für die Nutzung der Software dominiert weiterhin der „Lizenzkauf“

Weitere Informationen und detaillierte Zahlen zur Studie sowie eine kostenlose Zusammenfassung der Ergebnisse finden Sie im Internet unter http://www.trovarit.com/erp-praxis/erp-praxis.html

Ihr Michael Schober

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.