Michael Schober

Warum kein neues ERP-System?

Gründe für einen Systemwechsel gibt es viele Gute …

Leser dieser Kolumne wissen bereits, daß ERP im Langtext „Enterprise Ressource Planning“ bedeutet. Alle anderen mögen bitte in den Ausgaben 2006/3 bis 2007/2 nachlesen. Zurück zum Thema: In den letzten 30 Jahren traf ich auf viele Unternehmen, die aus gutem Grunde ein neues ERP-System brauchten: Entweder war die Hardware am Ende, der bisherige Softwarehersteller hatte seine Geschäftstätigkeit beendet oder das Geschäftsmodell des Unternehmens hatte sich so weit verändert, daß die bisherige Software nicht mehr mithalten konnte. Der Kunde hatte also eine wirkliche „Pain“ bzw. einen „Need“ – das Leiden und der Bedarf waren so groß, daß es einfach sein mußte!

… aber auch viele schlechte!

Auf der anderen Seite gab es aber auch Firmen, deren Leiden – auf einen einzelnen Menschen übertragen – in den Bereich der Hypochondrie einzuordnen waren: „das System ist so schwierig zu bedienen“, „wir bekommen keine Auswertungen heraus“, „wir wollten es gar nicht, aber der Eigentümer hat gesagt wir müssen es verwenden“ bis hin zu  „die Masken sind so häßlich“.

Das ERP-Verkäuferdilemma – wegwerfen statt reparieren

Gleich vorweg: Ich hatte und habe nie dieses Dilemma! Bei jenen mit eingebildeten Leiden ist es immer mein Bestreben als erstes eine kleines Beratungsprojekt anzubieten. Das Ziel dabei ist, festzustellen ob das Unternehmen wirklich ein neues System braucht, oder ob es sich nur „einbildet“ eines zu brauchen. Nimmt der Kunde das nicht in Anspruch, so kann es durchaus vorkommen, daß ich die Anfrage dankend nicht mehr weiter verfolge. Ein Hardcoreverkäufer eines Marktbegleiters verkauft ihm sodann ohne Rücksicht auf den wirklichen Bedarf ein System. Und damit es preislich auch attraktiv ist „nur Standard! Weil das neue moderne System kann eh‘ alles auf Knopfdruck“. Und dann?

Dann ist oft Katerstimmung angesagt!

Das neue System ist zwar oberflächlich hübscher, aber passt funktional vielleicht doch nicht so ganz. Durch die Einführung sind zahlreiche Auswertungen und Statistiken verloren und müssen erst mühsam und kostspielig wieder erarbeitet werden. Bis dahin wird das Unternehmen im Blindflug geführt und irgendwann ist wieder das Niveau des alten Systems erreicht. Welches offensichtlich nun doch nicht so schlecht war: Erst wenn das alte System weg ist lernt man zu schätzen was es alles konnte!

Oder noch schlimmer?

Beim Verkauf wurden Auswertungstools gezeigt mit denen „man“ sich jeden Report selber machen kann. Leider hat niemand verraten, daß „man“ für das „selber machen“ etwas mehr als Grundkenntnisse des Datenbankdesigns braucht (1:1, 1:n, n:1 Beziehungen verstehen, worüber lesen?, Indizes nutzen,.. ). Jetzt musste „man“ draufkommen, daß dieses Wissen weder im Unternehmen vorhanden ist, noch für das tägliche Arbeiten erforderlich ist. Was tun? Auf die Auswertung verzichten? Probieren doch selber zu machen? – mit der Gefahr ein falsches Ergebnis zu bekommen – oder teuer machen lassen? „Man“ kann natürlich auch völlig verbittert den Hersteller klagen, das Geschäft rückabwickeln, Ersatzvornahmen, dem Verkäufer die Schuld geben und vor allem DEM COMPUTER oder DER SOFTWARE, denn die können sich bekanntlich nicht wehren und reden auch nicht zurück

Jetzt wäre es wieder an der Zeit für meine kleine Beratung!

Warum? Ganz einfach: Der Kunde läuft Gefahr mit all den Emotionen des versauten Projektes (lassen wir die Schuldfrage einmal bewußt draußen, weil sie uns nicht vorwärts hilft), ein neues System anzuschaffen, den Betreuer zu wechseln und sich vielleicht auch noch in einen kräfteraubenden Rechtsstreit einzulassen. Einfach gesagt: „Das Kind wird mit dem Bade ausgeschüttet!“.

Warum kaufen mir nur so wenige die Beratung ab?

Nach einigem Grübeln glaube ich es herausgefunden zu haben. In meine Position als ERP-Anbieter trage ich ein Kainsmal auf der Stirn: „Der will mir doch auch nur ein neues System verkaufen!“. Manche formulieren es etwas freundlicher: „Wir wollen Sie als Anbieter nicht ausschließen“. Also wird auf meine Erfahrung verzichtet. Schade!

Wie kann ich helfen?

Zuerst einmal kann ich mit meiner langjährigen Erfahrung helfen die Anforderungen an den bestehenden Lieferanten zu strukturieren. Oft bedarf es auch nur ein wenig Übersetzungsarbeit zwischen dem Benutzer und dem Programmierer (sie kennen sicher den Witz mit der Kinderschaukel …). Auch ist es schon hilfreich, wenn man mit den IT-Beratern und Programmierern in deren Sprache reden kann – etwas, daß den BenutzerInnen oft schwer fällt. Es ist ja auch nicht ihr Job – aber meiner ist es seit 30 Jahren!

Ihr Michael Schober

PS: Wenn Sie einen ERP-Mediator oder einen ERP-Tuner brauchen, dann schicken sie mir einfach eine Mail an ing.michael.schober(bei)gmx.net – ich will ihnen kein neues System verkaufen – versprochen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.