Der Michl und die Kapazitätsplanung

Eine ERP-Erzählung

Es war einmal ein österreichisches Unternehmen, das im Jahre 2006 ein neues ERP System auswählte. Seine Wahl hatte es sich nicht leicht gemacht und mit dem IT-Matchmaker gründlich analysiert. Weil es ein produzierendes Unternehmen war und für sehr unterschiedliche Kunden arbeitete, brauchte es eine Lösung, die Terminierung und Kapazitätsplanung gut unterstützte. Die nahe Niederlassung des Lieferanten, half schlussendlich noch ein Stück bei der Entscheidung.

Nur sieben Jahre zogen ins Land

das Unternehmen ward gewachsen, die Planung der Aufträge immer schwieriger geworden. Der nahe Programmierer hatte den Arbeitgeber gewechselt und die eigenen Mitarbeiter, die die Einführung 2006 machten waren auch weitergezogen. Was warum implementiert wurde wusste keiner mehr so recht. Auch nicht was denn das gekaufte System wirklich alles kann. Die Kunden verschoben oft Termine und stellte immer wieder quälende Fragen nach Lieferzeiten. Die Antworten aus dem ERP System waren unbefriedigend, so behalfen sich die Menschen in der Eile des Tagwerkes mit EXCEL und anderem Hexenwerke. Schließlich waren sie sehr sehr böse auf das ERP System und riefen:

„Es muss was Neues her! Ein MES!“

„Ein MES?“, fragte der Geschäftsführer und schickte seine Späher aus, um sich umzusehen was Manufacturing Execution Systeme für seine Firma kosten könnten. Als sie zurück kamen, ihm einem Budgetvorschlag von ca. 300.000 Sterntalern und die Zusicherung, dass alles besser werde auf seinen Tisch legten stimmte er schweren Herzens zu. Doch erinnerte er sich der Auswahl des ERP Systems und bat wieder die Aachener um Hilfe. Der Helfer kamen im Frühling 2013 geschwind und gleich gemeinsam mit dem Michl aus Wien herbei.

Ein Chor des Wehklagens

Am ersten Tage wollten die Konsulenten gemeinsam mit dem Kunden feststellen, wie groß das MES-Auswahlprojektes werde. Sie hörten gut zu, als die Mitarbeiter von ihrem Leid bei der Auftragseinplanung klagten: „Die Termine sind völlig falsch!“, „Die angezeigte Auslastung ist unbrauchbar!“, „Die Materialverfügbarkeit wird manuell gesucht!“, „Wir wollen ein MES System mit einer grafischen Planungsmöglichkeit! – Das wird alle unserer Probleme lösen!“. Erstaunt ob der Mängel des ERP fragten die Berater weiter und dann … Die großen Überraschungen!

Vom Einkauf erfuhren sie, dass der bestätigte Liefertermin in einem Textfeld vermerkt wurde um den ursprünglichen für eine Lieferantenbewertung aufzuheben. So waren viele Bestellungen im Rückstand und die Materialdisposition konnte mit diesen falschen Werten nur falsche Ergebnisse liefern. Doch hört! Noch viel schlimmer erging es der armen Terminierung! Als die Fragen nach den Rückmeldungen in der Fertigung gestellt wurde, sowie wann und wie denn Stückzahlen und Zeiten je Arbeitsgang gemeldet würden, kamen der Aachener und der Wiener nicht mehr aus dem Staunen: „Nein, während die Produktionsaufträge laufen, werden nur Ist-Zeiten aber KEINE Stück auf die Arbeitsgänge gebucht. Das hat unser früherer Betriebsvogt so bestimmt.“ Wie soll die Terminierung da zu einer richtigen Kapazitätsdarstellung kommen, wenn der Fortschritt nicht spätestens täglich rückgemeldet wird? Warum solle es künftig mit einem MES System um auch nur ein Jota besser werden?

NEIN, kein MES – nicht jetzt!

Nach dem Tage fassten die Trovariter ihre Erkenntnisse zusammen und empfahlen dem Unternehmen zuerst einmal mit einem ERP-Audit die schwarzen Löcher zu finden. Dann alle Feinheiten und Kniffe ihres ERP Systems kennen zu lernen – am besten auf einer ERP Spielwiese wo nichts kaputt werden kann. Und am aller wichtigsten: überlegen, ob die Rückmeldungen wieder aktiviert werden können. Welcher Aufwand das sein wird, sollte man mit dem ERP Lieferanten gemeinsam ermitteln. Erfreut ob der erfreulichen Wendung lud der Chef den Michl ein wieder zu kommen und ihm bei all dem zu helfen.

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Tastaturabdeckung um irrtümliche Stückrückmeldungen zu verhindern

Die Platte mit den Löchern Als der Michl nach ein paar Wochen wieder kam, sprachen sie über die Aktivierung der Rückmeldungen. Trauriger weise war mit dem BDE-Lieferanten vor Monaten auch der Support für das System verstorben. Der Michl aus Wien fragte, was denn an Schnittstellen anzupassen sei und wer das machen könne. Mit einem verschmitzten Lachen geleitete der Projektleiter den Michl in die Produktion zu einem BDE-Terminal, zeigte ihm die Blechplatte auf der Tastatur, hob sie auf und alle Tasten waren sichtbar! Nur fünf Minuten später waren die ersten Stückbuchungen im ERP System angekommen. Was zuerst nur ein Test war, lief über Wochen ohne Probleme. Ob und wann das MES System kommen wird, steht in den Sternen. Ein BDE wird wohl bald sein müssen und den Michl laden sie immer wieder gerne ein!

Für die Erzählung dieser wahren Geschichte habe ich mir vorher die Zustimmung meines Kunden eingeholt. Öfter als man denkt kann man sich mit ein wenig nachdenken und guter Beratung die Anschaffung eines neuen IT-Systems einfach schenken! – Frohe Weihnachten!

Ihr „Michl“ Schober

PS: Informationen über den ERP-Audit www.erp-roadmap.at und die Kontaktdaten eines Referenzkunden gerne persönlich!



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