Michael Schober

David und Goliath im ERP-Land V1.0

Die erste garantiert wirklich subjektive Marktübersicht
(ANMERKUNG: Das ist die Originalfassung des Artikels vom Juni 2007 mit meiner damaligen Sicht als Anbieter. Eine Sicht unter anderen Perspektiven lesen Sie unter  „Ohne Latte kein Hochsprung

Allein im deutschsprachigen Raum gibt es ungefähr 300 ERP-Systeme viele davon kleine lokal agierende Davids und einige Goliaths wie Microsoft und SAP. In regelmäßigen Abständen werden sie in schönen Tabellen einander gegenüber gestellt. Mehr oder weniger neutrale Beratungsunternehmen versuchen objektive Kriterien aufzustellen um den armen Suchenden ein Pfadfinder zu sein. Interessanterweise gibt es aber auch immer mehr Unternehmen, die Ihren Rat bei parteiischen Beratern wie ich es einer bin suchen. Der Grund „Da weiß ich wenigstens schon vorher woran ich bin und es kommt keiner heimlich durch die Hintertür herein“. Hinweis: „ERP“ ist in Ausgabe 2006/03 auf Seite 12 erklärt. Für all jene, die vor einer ERP-Entscheidung stehen, hier die erste garantiert subjektive und unvollständige Marktübersicht aus der Praxis der letzten Jahre.

Wie soll ich bei der Auswahl vorgehen?

Am Anfang steht die Glaubensfrage: Wenn der letztendliche Entscheider (=Zahler) im Unternehmen irgendwelche Anbieter oder Systeme aus emotionalen Gründen ausschließt, dann sollten Sie diese gar nicht erst evaluieren. Wer Anbieter aufgrund Größe, Marktstellung, des Betriebssystems, der Hardware oder „einfach so halt“ nicht mag, wird davon im Rahmen einer ERP-Auswahl kaum abkommen, außer …

… die Unternehmensstrategie legt die Latte.

Bei „Expansion ins Ausland“, „Anbindung von weltweiten Distributoren und Handelsvertretern“ lauten die Kriterien Mehrländerfähigkeit, mehrsprachige Benutzeroberfläche. Und das alles in einer Installation um länder- und firmenübergreifende Geschäfte effizient abwickeln zu können. Funktionen, die eher bei den großen Anbietern zu finden sind. Aber auch dort sei zur Vorsicht gemahnt: Der Name allein bürgt nicht automatisch für alles! Andererseits, wer im Bezirk bleiben und gar nicht wachsen will, kann auch mit den Systemen guter kleiner lokaler Anbieter das Auslangen finden.
Machen 100+ Seiten Kriterienkatalog wirklich klüger?

Auch auf die Gefahr von so manchem Berater gesteinigt zu werden: Die Antwort ist zu fast 100% nein! Nur wenige dieser schwergewichtigen Kataloge waren bisher geeignet danach ein Projekt wirklich abzuschätzen. Keiner der Kataloge überlebt in der Praxis die ersten paar Projektwochen, weil das Wissen über ein neues System automatisch die Anforderungen der Benutzer verändert. Die wertvolle Ausschreibung verkommt zu Makulatur. Es ist völlig sinnlos, Anforderungen zu definieren, die weitestgehend als Stand der Technik angenommen werden können. Außer sie wollen sich für ein Individualprogramm oder einen völlig exotischen Anbieter ohne Referenzen entscheiden – wovon ich dringend abrate. Flexible moderne Systeme können durch einfache Einstellungen oder Programmanpassungen rasch und gemeinsam mit dem Benutzer um die notwendige Funktion erweitert werden. Mehr als einmal hörte ich schon den Stoßseufzer: „Um das Geld, das für den Kriterienkatalog ausgegeben wurde, hätten wir mit Ihnen schon das ganze Projekt machen können – dafür sparen wir jetzt bei der Endbenutzerschulung L.“ De facto lassen sich die Kernkriterien für die Entscheidung auf ein paar wenigen Seiten abfragen.

Die Au muß schön sein, denn Millionen Gelsen können nicht irren!

Ja es stimmt: Branchenlösungen und -referenzen geben Sicherheit. Aber sehr viele Installationen schon seit vielen Jahren am Markt kann auch heißen: Das Fundament des Systems ist technologisch nicht mehr am letzten Stand, vielleicht eine portierte DOS, VAX, HP3000 … – Lösung? Kratzen Sie an der Oberfläche, stellen Sie die richtigen Fragen. Nicht alles, was wie Windows aussieht ist auch für Windows gemacht. Lassen Sie sich nicht von der Anzahl der Referenzen so blenden, daß Sie keine Referenz aktiv kontaktieren. Hier kann ein Meinungsaustausch mit einem erfahrenen EDV-Berater mit Marktüberblick hilfreich sein. Ein Tipp für innovative Unternehmer, die Wert auf Vorsprung legen: Innovative und kreative Anbieter suchen oft Erstkunden um mit Ihnen gemeinsam eine Referenz aufzubauen!

ERP = Sicherheit3

ERP-Entscheidungen sind Sicherheitsentscheidungen. Nach den Referenzen ist die Frage wesentlich, wie lange das Produkt bzw. Weiterentwicklungen davon am Markt aktiv verkauft werden. Auch die finanzielle Lage und Strategie des Herstellers ist einzubeziehen: Wird er eigenständig weiterleben? Ist er ein Übernahmekandidat? Wird er seine Geschäftstätigkeit einstellen?

Habe ich Ihnen bei Ihrer Entscheidung geholfen?

Nein? – Das beruhigt mich! Denn Hand aufs Herz: Am Ende ist ERP-Systemauswahl wie Partnersuche im ganz normalen Leben eine Frage von Sympathie und Vertrauen. Oder wie sagte eine Ex-fast-Schwiegermutter tröstend zu mir „Für jedes Häferl gibts einen Deckel!“

Danke für die zahlreichen Zuschriften – ich freue mich wieder auf Ihre Leserbriefe und eMails genauso sehr wie über konkrete Projektanfragen.

Ihr Michael Schober!

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