Michael Schober

Projekte – Ein Kinderspiel!

Aller Anfang ist schwer

Waren Sie schon auf Urlaub? Ach so sie haben keine schulpflichtigen Kinder. Ich hatte vor, im Urlaub am PDA diesen Artikel rechtzeitig zu schreiben. Mein gerade sechs gewordener Max, der 18 jährige Markus und mein Drang nach Ruhe haben mich erfolgreich zum Trödeln motiviert – eh noch genug Zeit. Ein wenig vorgedacht habe ich schon auf der winzigen griechischen Insel. Am 3. September hat Max seinen ersten Schultag. Er hat ein wenig Angst davor weil er noch nichts kann. Auch für ihn ist aller Anfang schwer! Aber wenn man ihn motivieren kann und er am Anfang nicht trödelt, dann …!

Projektplanungsanlaufphase

Hobbyläufer (wie ich) lernen es beim ersten Marathon. Jeder Autofahrer weiß es – und viele versuchen es trotzdem. Auf den letzten Kilometern kann man nach dem Start vertrödelte Zeit nicht mehr einholen. Trotzdem versuchen viele noch am Ende Gas zu geben. Auch EDV-Projekt laufen immer wieder nach diesem Muster ab.

Wer sind die Trödler?

Die Trödler sind an allen Stellen zu finden! Anwender, die Ihre Hausaufgaben nicht machen. Einerseits weil sie nicht den notwendigen Freiraum haben oder weil sie glauben es geht sich eh noch aus. Entscheider, die keine Entscheidungen treffen. Programmierer und Berater, die unbedingt Projektleiter werden wollten und sich ohne entsprechende Unterstützung hineinstürzen (müssen). Und am gefährlichsten jene, die Geschäftigkeit erfolgreich nur vortäuschen und kurz bevor dies ans Licht kommt wieder verschwinden. Der Projektleiter, der wie Lassie, mit wallendem Haar an der falschen Stelle zur falschen Zeit geschäftig kläffend hin- und her läuft, beeindruckt nur so lange, bis man entdeckt, daß die halbe Schafherde über die Klippe gefallen ist. Aber oft ist zu diesem Zeitpunkt das nette Colliehündchen schon zum nächsten Bauern gelaufen. Die wichtigste Aufgabe des Projektleiters ist es, noch vor dem ersten Hahnenschrei aufzustehen und dafür zu sorgen, daß ab dem Startschuß alles in den richtigen Bahnen läuft. Dazu zwei Beispiele:

Spielen wir Artikel erfassen?

Josef H. war auf Kundenseite im Jahr 1987 für die Einführung eines neuen EDV-Systems verantwortlich. Ungefähr im August hat er im Rahmen der gemeinsamen Projektplanung beschlossen, die 50.000 Artikelstämme manuell einzugeben. Der Grund? „Wir müssen sowieso alle überarbeiten.“ Das Tagesgeschäft hatte immer Vorrang und so waren mit Stand 10. Oktober doch schon an die 500 erfaßt. Also habe ich ein Spiel mit Josef H. vereinbart: Ziel sind 5.000 in der Woche und „Ich rufe Sie jeden Dienstag an und frage wie weit sie sind.“ – Aber Josef H. hielt sich gleich in der ersten Woche nicht an die Spielregel. „Es ist Montag und wir haben schon 7.432 geschafft! – ÄäääTSCH!“. Acht Wochen später waren alle Artikel im System und das Projekt wurde termingerecht gestartet.

Artikelerfassen – Ein Computerspiel

Im Jahr 2001 haben wir das gleiche Problem natürlich bereits wesentlich zeitgemäßer gelöst. Damit das traditionsreiche Musikhaus Doblinger in der Wiener Innenstadt alle ihre zigtausend Artikel systemgestützt verkaufen konnte, mußten diese katalogisiert und etikettiert werden. Wer das große Sortiment dieser Institution kennt, kann sich vorstellen, vor welcher Aufgabe damals das Projektteam stand. Den wöchentlichen Telefonanruf haben wir durch eine kleine Programmerweiterung ersetzt: „Wenn Sie mit dieser Geschwindigkeit weiterarbeiten, werden Sie am 18. April 2057 um 17:13 mit der Artikelerfassung fertig sein“. Der Ehrgeiz wurde damit mehrmals täglich angezündet. Martin W. teilte uns freudig mit, wenn der Exitdialog wieder ein Jahr weniger meldete.

Wenn er es kann, ist es …

Die Ängste von Max vor dem unbekannten Riesen „der Schule“ sind denen der AnwenderInnen und UnternehmerInnen vor dem Start eines EDV-Projektes ziemlich ähnlich. Aufgrund der Schulpflicht wird Max nichts anderes überbleiben als am 3. September sein Projekt zu starten. Hoffentlich geleitet von einer guten LehrerIn. Mehr als einmal habe ich es erlebt, daß Unternehmen trotz offensichtlichem Handlungsbedarf sich mangels „Projektpflicht“ für Weiterwurschteln entschieden. Deshalb an dieser Stelle an diese Unternehmen ein Tipp von Max, denn wenn er etwas angefangen hat und weiß wie es geht, dann ist es „BABYISCH!“

Neue Freundschaften durch Projekt-Spielen

Wie Max im Kindergarten seine ersten Freundschaften fand, so ist es für uns EDV-Berater eine Freude, wenn wir am Ende der gemeinsamen Arbeit nicht nur ein erfolgreiches Projekt sondern auch ein paar neue Freunde haben. Bei Josef darf ich das „H“ weglassen wenn ich mit ihm bei einem Bier über alte Zeiten und eventuelle neue gemeinsame Projekte sinniere. Martin, sein Kollege Michael und ich teilen die Freude an der Musik.

Danke für die zahlreichen Zuschriften – ich freue mich wieder auf Ihre Leserbriefe und eMails als möglichen ersten Schritt für eine neue Freundschaft.

Ihr Michael Schober!

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